T-F 1007 „Herstellung von Roheisen“
Text von: Lucia Mandana Heidemann
Basisinformationen
Der DDR-Lehrfilm T-F 1007 namens „Herstellung von Roheisen“, entstand im Jahre 1977 im Auftrag der Akademie der pädagogischen Wissenschaften der deutschen demokratischen Republik (kurz APW) in dem Institut für Unterrichtsmittel, wie zu Beginn des Filmes beschrieben. Der Film wurde von einer Gruppe namens „Spektrum“ bearbeitet. Die Bestände dieses Filmes befinden sich in der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschungsgeschichte (BBF).

Filmstill 00:02 min: Anfang des Filmes

Filmstill 13:10 min: Ende des Filmes
Siegfried Schneider, Norbert Franke, Harald Krieger und Detlef Wagner waren die Autoren des TF-1007. Die Regie, wie das Drehbuch und die Animationen, wurden geleitet von Ingrid Hinz. Für die Kamera waren Heinz Halle und Franz Sarger verantwortlich. Um den Schnitt hat sich Liesel Hönicke gekümmert und die Stelle der Produktionsleitung wurde durch Ingeborg Bissert besetzt. Die Sprecher hießen Christoff Höhne und Manfred Wagner. Der Film war für mich in einer Länge von 13:19 Minuten einsehbar und wurde vermutlich im Format 16mm von „DEFA-Studio für Dokumentarfilme (Berlin/Ost)“ produziert.
Die Formatangabe in den Akten des Archives unterscheidet sich von der von „filmportal.de“, welche besagt, dass diese 35mm seien und hat je nach Akte verschiedene Angaben bevor der Film wirklich fertiggestellt wurde. Es handelt sich dabei um einen Farb- und Tonfilm. Vor dem Originaltitel „Herstellung von Roheisen“ hatte der Lehrfilm den Arbeitstitel „Hochofenprozeß“. Der Film wurde am 27.09.1977 von einer Mitarbeiterin des DEFA – Studio für Dokumentarfilme, betitelt als „Kollegin Kahnert“, auf fotografische und technische Qualitäten getestet und daraufhin mit „dupfähig und mechanisch einwandfrei“ beschrieben. Aufgrund dessen wurde dieser zur Massenkopierung empfohlen.
Der Herstellungsleiter Neubert bestätigte am 06.06.1977 den endgültigen Titel „Herstellung von Roheisen“ und die Siegelnummer „TF 1007“. Es wurden während der Produktion des Filmes ein paar Planänderungen vernommen, wie die Terminverschiebung innerhalb des Jahres 1975 welche in einem Antrag der APW 1976 mit dem Tod des ursprünglichen Autoren begründet wurde.
Kurze Inhaltsangabe/Thematische Einordnung
Eingeleitet wird das Thema mit einer Folie in Form eines Deckblattes bei der der Titel nochmal wie als Überschrift mit einer passenden Animation unterstützt dargestellt wird.
Inhaltlich befasst sich der Lehrfilm wie der Titel so einfach schon angibt, über die Produktion von Roheisen und Stahl, sowie dessen Bedeutung in der Wirtschaft. Dabei beginnt dies durch den Import von Eisenerzen aus dem ursprünglichen Kriwoi Rog der Sowjetunion (heute Kriwoi Rog, Ukraine) in die DDR. Dazu wird Eisenkohlenkoks aus Polen, Gomy Stask nach Eisenhüttenstadt transportiert. Ein weiterer Ausgangsstoff für die Eisenproduktion ist Kalkstein, welches aus Rübeland und Rüdersdorf bei Berlin wieder Mals Richtung Eisenhüttenstadt gebracht wird. All diese Wege werden anhand von Karten und Markierungen dargestellt.
Bei der näheren Erklärung der Funktion des Hochofens werden Animationen genutzt um den eigentlich unersichtlichen Prozess wie auch die darauffolgenden chemischen Vorgänge verständlich darzustellen.
Alle Prozesse die theoretisch möglich zu beobachten sind, werden auch videografisch dargestellt. Die Roheisenabstichbühne, welche zu Ende des Filmes gezeigt wird, werden auch mit Musik unterlegt.

Filmstill 02:31 min: Ansicht der Lieferungswege mithilfe einer Karte

Filmstill 04:32 min: Wechsel zwischen Trickaufnahme ...

Filmstill 08:14 min: ... und Realaufnahme
Funktion/Zielgruppe
„(…) entspricht dem Niveau der Klassenstufe 7, kann aber auch in höheren Klassenstufen, z.B. in Klasse 10, eingesetzt werden.“ So beschreibt die Hausmitteilung von Dr. F. Meier an HV Unterrichtsmittel und Schulversorgung Staatliche Abnahmekommission den Nutzen des Lehrfilms.
Er ist dem Stoffgebiet „Anwendung von Redoxreaktion in der Technik“ in dem Fach Chemie zuzuordnen. Dabei wird auf die Bedeutung des Roheisens für die gesamte Volkswirtschaft eingegangen und dabei die Herstellung dessen und die darauffolgenden chemischen Reaktionen mit visueller Unterstützung erklärt.
Die dabei behandelten Themen werden von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter namens Franke Stufenzuordnend in verschiedene schwierige „Stoffgebiete“ eingeteilt. In der Klasse 7 wird die Sauerstoff-Oxidation (Stoffgebiet 2), die Einführung in die chemische Zeichensprache (Stoffgebiet 3) und die Wasserstoff-Redoxreaktion (Stoffgebiet 5) gelehrt. In Klasse 8 fokussiert man sich auf das Atom-Ion und die chemische Bindung (Stoffgebiet 1 und 2), die Säuren, Basen und Salze (Stoffgebiet 3, 4 und 5). Und in der Klasse 9 ist es möglich sich auf die chemische Reaktion (Stoffgebiet 1) zu beziehen.
Bei einer Stellungname von Dr. Herz wird der Wechsel zwischen Reale und Trick als sinnvoll bezeichnet und nochmal besonders lobend hervorgehoben. Zu der Unterstützung der Einführung des Lehrfilmes in die Schulpraxis existierten ein Text für Verfügungen und Mitteilungen, ein Beiheft und einen Artikel in der Zeitschrift „Chemie in der Schule“.
Analyse von Drehbuch bis Film/Inszenierung der DDR (Eisenhüttenstadts)
Neben der Beschreibung einer der Szenen zu Beginn, bei welcher Realaufnahmen ein in der Landschaft vorbeifahrender Güterzug präsentiert wird, stehen in dem Drehbuch interessante Anmerkungen zu der Szenen Auswahl und Darstellung.

FIlmstill 01:00 min: Ansichten der Güterzüge mit Originalton

Filmstill 01:42 min
Dabei zitiere ich aus der ersten Seite: „Überall, wohin wir auch blicken, begegnen uns Eisen und Stahl als außerordentlich wichtige Werkstoffe. Sie bilden sozusagen das Rückgrat jeder modernen Industrie. Deshalb sind sie auch für unsere Republik von hervorragender volkswirtschaftlicher Bedeutung. „(…) Die Formulierung lässt vermuten, dass auch bei diesem faktischen Lehrfilm darauf geachtet wurde das Image der DDR als eine wirtschaftlich gut funktionierende Republik beizubehalten.
Dieses Argument unterstütze ich mit darauffolgender Szene, welche Realaufnahmen von Eisenhüttenstadt beinhaltet. Eisenhüttenstadt wird dabei videografisch mit friedlicher Musik inszeniert. Das Lied ist aus Ottmar Gersters Eisenhüttenkombinat Ost. Dazu kommt der Fakt, dass Ottmar Gerster ein „regimetreuer“ Komponist in der NS-Zeit war, um welchen es sich lohnt zu informieren, doch dies würde nun zu weit abschweifen. Es wirkt wie eine Verherrlichung dieser Zusammenarbeit und des wirtschaftlichen Fortschritts der DDR. So wird die Szene durch den Satz „Eisenhüttenstadt ist damit ein Symbol der Zusammenarbeit der sozialistischen Staaten.“ eingeleitet.

Filmstill 02:20 min: Ansichten Eisenhüttenstadts ...

FIlmstill 02:51 min: ... mit Musik
Auch die Bezeichnung „(…) dank der brüderlichen Hilfe der sowjetischen Arbeiter, (…)“ aus der zweiten Seite des Drehbuches würde ich als taktische freundschaftliche Stellungname der Beziehung zwischen der DDR und der Sowjetunion werten. Sie sprechen ihr Lob auch auf der Seite 5 des Drehbuches mit dem Satz „Dank der umfangreichen sowjetischen Hilfe konnte schon 1951 das erste Roheisen abgestochen werden.“ aus.
Auch zum Ende hin wird wieder Musik Gersters verwendet um eine Realaufnahme musikalisch zu unterstützen. Diesmal handelt es sich bei der Aufnahme um eine Darstellung der Maschinerie zu der Produktion des Roheisens.

Filmstill 02:56 min: Endprozess der Herstellung von Roheisen mit Musik unterlegt
Das Lied wirkt unpassend friedlich in Betracht des genutzten Bildmaterials. Der Prozess wird dabei auch wieder gepriesen und mit dem Nutzen glorifizierender Beschreibungen wie „(…) beeindruckendes Erlebnis, wenn der Strom glühend flüssigen Metalls aus dem Ofen hervorbricht.“ unterstrichen.
Fazit
Um alles zusammenzufassen, ist der Lehrfilm T-F 1007 „Herstellung von Roheisen“, ein gelungenes Mittel für den Chemieunterricht der Klasse 7 bis 10 zu der Zeit, wobei die politischen Anspielungen durch die Inszenierung der DDR, spezifisch Eisenhüttenstadts, die subtilen Hinweise zur „Verbrüderung“ mit der Sowjetunion und die Nutzung eines doch fragwürdigen Komponisten zu bedenken geben. Wichtig wäre es deswegen diesen Film heutzutage, wenn auch lehrreich, mitunter kritisch zu betrachten.
Quellen- und literaturverzeichnis
Beiheft zum Unterrichtsfilm (Entwurf) Herstellung von Roheisen (einsehbar im Archiv BBF Warschauer Str. 34)
DEFA – Studio für Dokumentarfilme – Bericht über den technischen Befund der Ausgangsmaterialien zum Unterrichtsfilm T-F 1007 1977 (einsehbar im Archiv BBF Warschauer Str. 34)
Drehbuch - Herstellung von Roheisen, Hochofen (einsehbar im Archiv BBF Warschauer Str. 34)
filmportal.de (Letzter Aufruf: 16.03.2026, 14 Uhr)
Hausmitteilung von Dr. F. Meier an HV Unterrichtsmittel und Schulversorgung Staatliche Abnahmekommission zu T-F 1007 „Herstellung von Roheisen“ 1978 (einsehbar im Archiv BBF Warschauer Str. 34)
IU Abt. MNP – Chemie: Schwierige Stoffgebiete im Lehrgang Chemie, Wiss. Mitarbeiter Franke (einsehbar im Archiv BBF Warschauer Str. 34)
Ministerium der Deutschen Demokratischen Republik für Volksbildung Hauptverwaltung Unterrichtsmittel und Schulversorgung - Antrag zur Abnahme des Unterrichtmittelmusters T-F 1007 1977 (einsehbar im Archiv BBF Warschauer Str. 34)
Pädagogische Hochschule „N.K. Krupskaja“ Halle – Gutachten zur pädagogisch-technischen Aufgabenstellung des Tonfilms „Herstellung von Roheisen“ (einsehbar im Archiv BBF Warschauer Str. 34)
T-F 1007 Herstellung von Roheisen
T-F 1007
DEFA-Studio für Dokumentarfilme
Akademie der pädagogischen Wissenschaften der deutschen demokratischen Republik (kurz APW)
1977
Autoren: Siegfried Schneider, Norbert Franke, Harald Krieger und Detlef Wagner
Regie, Drehbuch, Animation: Ingrid Hinz
Schnitt: Liesel Hönicke
Kamera: Heinz Halle und Franz Sarger
Produktionsleitung: Ingeborg Bissert
Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF)
Inventarnummer XXX
Digitalisiert mit Fördergeldern des XXX