Durchlichtbilder: Vom Glasdia zum Kleinbild-Dia
Im Zentrum unseres Ausstellungsraumes stehen einerseits Glasdias, die vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert verbreitet waren, andererseits die im 20. Jahrhundert populären Kleinbild-Dias. Unser Ziel ist, die Materialität und daraus entstehende Affordanzen der Dias zu erfassen und das Objekt selbst im digitalen Raum erlebbar zu machen. Dabei berücksichtigen wir vor allem physische Eigenschaften, Gebrauchsformen und mögliche Schadensbefunde der Objekte. Für diesen Raum wählten wir aus dem Dia-Bestand der Mediathek des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte drei Glasdias aus der historischen Lehrsammlung, ergänzt durch ein zugehöriges Glasnegativ, außerdem drei Kleinbild-Dias aus der Schenkung von Nikolaus Bernau.
Historische Glasdiasammlung der HU Mediathek
Die Verwendung von Glasdiapositiven in der akademischen Lehre ist eng mit Herman Grimm (1828–1901) verbunden, der von 1873 bis 1901 den ersten Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität, der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin, innehatte.
Der Berliner Kunsthistoriker integrierte ab 1891 Lichtbildprojektionen in seine Vorlesungen und gilt als Pionier der kunsthistorischen Projektionspraxis im deutschsprachigen Raum. Die kunstwissenschaftliche Methode des sogenannten Vergleichenden Sehens, das mit dem Namen Heinrich Wölfflin verbunden ist, wäre ohne die Diaprojektion schwer vorstellbar.
Als Projektionsapparat verwendete Grimm das sogenannte Skioptikon, eine Weiterentwicklung der Laterna Magica. Bereits im Jahr 1851 hatten die Brüder Langenheim auf der Weltausstellung in London die ersten fotografischen Lichtbilder präsentiert, sogenannte „Hyalotypes“, Albuminplatten. Das Skioptikon selbst war 1872 von der amerikanischen Firma L. J. Marcy entwickelt worden.
Die Integration des Skioptikons in die kunsthistorische Lehre war bereits seit 1873 vom Kunsthistoriker Bruno Meyer angestrebt worden. Meyer bemühte sich, eine vorelektronische Variante dieses Mediums zu etablieren und schlug dabei sogar bereits die gleichzeitige Projektion zweier Motive vor. Jedoch erst durch die engagierte Proklamierung Hermann Grimms in den frühen 1890er Jahren erlangte das Skioptikon im deutschsprachigen Raum eine erfolgreiche Verbreitung und Anerkennung.
Die systematische Einführung der Glasdiaprojektion revolutionierte die kunsthistorische Lehre grundlegend. Während zuvor mit Kupferstichen, Zeichnungen, kleinformatigen Fotografien, oder literarischen Beschreibungen gearbeitet werden musste, erlaubte die Projektion die gemeinsame Betrachtung von Kunstwerken im größeren Format in Kombination mit dem gesprochenen Wort vor einem größeren Publikum.
Grimm baute in Berlin systematisch eine Glasdiasammlung auf. Unterstützt wurde er dabei vom Lichtbildproduzenten Franz Stoedtner (1870–1946), einem ehemaligen Schüler Herman Grimms, der nach seiner Promotion 1895 das „Institut für wissenschaftliche Projection“ gründete und im Gebiet von Herstellung und dem Vertrieb von Lichtbildern mit seinem Institut in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den führenden Firmen auf diesem Sektor gehörte - auch an anderen Universitäten entstanden sog. Diatheken. Sie entwickelten sich so zu unverzichtbaren Infrastrukturen vor allem kunsthistorischer Institute.
Die Sammlung der HU Mediathek befindet sich heute im Grimm-Zentrum und verfügt über 59.000 großformatige Glasplattendias, kurz Glasdias. Der Bestand wurde etwa von 1890 bis 1965 aufgebaut. Über die gesamte Zeit sind keine großen Verluste zu beklagen. Die Dias sind von unterschiedlicher Qualität: Es finden sich Repros nach teilweise schlechten Vorlagen neben Unikaten und hochwertigen Firmenproduktionen. Der Bestand der Glasdias ist annähernd vollständig digitalisiert.
Die Verwendung von Glasdiapositiven erstreckte sich von den 1860er Jahren bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. In akademischen Kontexten blieben sie teilweise bis in die 1980er Jahre in Gebrauch, obwohl das Kleinbilddia bereits seit den 1930er Jahren verfügbar war. Die Gründe für diese lange Nutzungsdauer lagen in der ausgezeichneten Bildqualität großformatiger Glasdias und den bereits vorhandenen umfangreichen Sammlungen.
Aspekte der Materialität von Glasdias
Glasdias
Die übliche Größe eines Glasdias beträgt etwa 8,5 × 8,5 bis 10 cm. Glasdias sind monochrome (schwarz-weiße) Positive auf Glasplatten, die für die Betrachtung durch Durchlicht oder Projektion konzipiert wurden. Durch ihre Projektion konnten Fotografien vergrößert und von mehreren Personen gleichzeitig betrachtet werden.
Für ihre Herstellung wurde zunächst ein Glasplattennegativ benötigt. Dieses wurde entweder vergrößert, verkleinert, oder im Kontaktverfahren 1:1 auf eine neue fotografische Glasplatte übertragen, die dadurch zum Diapositiv wurde. Ein Glasdia besteht aus einer Glasträgerplatte, auf die eine fotografische Emulsion mit Silberchlorid- beziehungsweise Silberbromidverbindungen aufgetragen wurde.
Dabei kamen verschiedene Verfahren zur Anwendung, darunter das Albumin-, Kollodium- sowie das Gelatineverfahren. Je nach verwendetem Verfahren beziehungsweise Bindemittel ergaben sich unterschiedliche Farbnuancen: Die Gelatine führt zu einem eher neutral grauen Ton, Kollodium erzeugt wärmere Brauntöne, und Albumin bewirkt eine Färbung zwischen Ocker und Olive. Zusätzliche Tönungen und Kolorierungen waren mitunter auch gängige Praxis.
Häufig wurden die fertigen Glasdias mit einem Deckglas geschützt und an den Kanten mit gummiertem Papier versiegelt. Es handelt sich somit meist um ein dreischichtiges Objekt.
Glasdias sind relativ haltbar, sollten jedoch trocken und bevorzugt dunkel gelagert werden. Sie sind empfindlich gegenüber Erschütterungen und Stürzen, da Glasbruch und Beschädigungen auftreten können.
Die Abbildung im Hintergrund zeigt die mikroskopische Vergrößerung des Randes der Emulsionsschicht auf einer Glasträgerplatte.
Reprofotografie
Eine Reproduktionsfotografie (kurz Reprofotografie) ist eine möglichstorginalgetreue Fotografie einer zweidimensionalen Vorlage, beispielsweise eines Druckes, Gemäldes oder Fotoabzugs. Bei den Glasdias der Lehrbildsammlung handelt es sich mehrheitlich um Repros unterschiedlicher Qualität oder um Unikate.
Objektbetrachtungen
Objekt No. 1 Glasdia mit Repro-Negativ
Das Glasdia zeigt eine Innenansicht des alten Berliner Friedrichstadt-Palastes datiert auf 1919/20. Die rote Signatur verweist auf das dazugehörige Glasnegativ, das sich ebenfalls in der Sammlung befindet. Eine Betrachtung des Negativs lässt erkennen, dass es sich bei diesem Glasdia um eine Reprofotografie nach einer Buchvorlage handelt.
Die mikroskopische Untersuchung zeigt deutlich Druckrasterpunkte. Auch im Vergleich der Projektion mit einem weiteren Glasdia desselben Innenraumes fällt hier die geringere Bildqualität auf, die auf Buchvorlage zurückzuführen ist.
Glasdia 8,5 x 10cm / Berlin / Friedrichstadt-Palast Innenansicht / Poelzig [durchgestrichen:] 1919/20 / STEMPEL SAMMLUNG KUNSTGESCH. INSTITUT BERLIN / HERSTELLER*IN Unbekannt / Repro
Objekt No. 2 Glasdia
Ein weiteres Glasdia desselben Innenraumes: Im Folgenden zum Vergleich die Projektion und die mikroskopische Vergrößerung . Es wird in der Mediathek als Repro gelistet, ist jedoch in der mikroskopischen Vergrößerung frei von einer Druckrasterstruktur, sondern weist eine feine Detailzeichnung auf.
Glasdia 8,5 x 10cm / Großes Schauspielhaus, Berlin. / 1918-19 / STEMPEL SAMMLUNG KUNSTGESCH. INSTITUT BERLIN / HERSTELLER*IN / Unbekannt / Repro
Objekt No. 3 Glasdia
Das hier verwendete gelblich genoppte „Gänsehautklebeband“ ist ein bekanntes DDR-Produkt und verweist darauf, dass es sich hier um ein Dia aus dem Teilbestand der Deutschen Bauakademie handelt, wie sich auch an der roten Beschriftung DBA erkennen lässt. Somit gehört es zu der Gruppe von Dias, die vermutlich erst nach 1958 durch Gerhard Strauss von der DBA zur Sammlung des kunst- und bildgeschichtlichen Instituts gelangten.
Glasdia 8,5 x 10cm / Dia mit beigem Selbstklebeband / Berlin, Altes Museum / Schinkel / [in roter Farbe] DBA 1121 / INVENTARNUMMER HISTORISCH DBA 1121 / SAMMLUNG Berlin, Deutsche Bauakademie (Baukademie der DDR) / HERSTELLER*IN unbekannt
Mögliche Schadensbefunde bei Glasdias
Die Haltbarkeit von Glasdiapositiven ist ambivalent. Einerseits ist Glas als Trägermaterial sehr stabil, andererseits ist die fotografische Emulsion potenziell verschiedenen Schadensprozessen ausgesetzt. Viele Objekte sind durch ein Deckglas geschützt. Ohne Deckglas besteht ein höheres Risiko für:
- Delamination: Ablösung der Gelatineschicht vom Glasträger, Kollodium ist hier stabiler, dafür anfälliger für Abrieb
- Verblassen und Vergilbung: Durch Lichtexposition und chemische Alterung
- Silberspiegelbildung: Oxidationsprozesse führen zu metallisch glänzenden Verfärbungen
- Glaskorrosion: Degradation des Glasträgers selbst
- Schimmelbefall: Bei ungünstigen Lagerbedingungen kann die Gelatineschicht von Mikroorganismen befallen werden
- Glasbruch: Mechanische Fragilität bei häufiger Handhabung
Saure Umgebungen und geschlossene Räume beschleunigen Formen oxidativer Zersetzung.
Stabile relative Luftfeuchtigkeit von 30-40% und kühle Lagerung (zwischen 4 und 10 °C) sind empfohlen. Aufbewahrungsbehälter und Papiere sollten dringend säurefrei sein.
Alle Aufbewahrungsmaterialien müssen den Fotoaktivitätstest (PAT) gemäß ISO-Norm 18916:2007 bestehen.
Glasdias sollten nicht mehr als 50.000 Luxstunden pro Jahr ausgesetzt sein. Zwischen den Ausstellungen sollte eine dreijährige Pause eingelegt werden.
Handkolorierte Bereiche können besonders lichtempfindlich sein.
Quelle: PSAP Preservation Self-Assessment Program
Die Abbildung im Hintergrund zeigt die mikroskopische Vergrößerung eines Glasdias.

Befund No.1: Bei den bläschenähnlichen Stellen handelt sich um Glaskorrosion.

Befund No.2: An einem der untersuchten Objekte lässt sich ein Glassprung erkennen.
Seit Ende des 19.Jahrhunderts entwickelte die Industrie befördert durch das Interesse am bewegten Bild flexible Filmmaterialien aus synthetischen Polymeren.
Auf dem Weg zum farbigen Kleinbild-Dia aus Kunststoffen wurden diverse andere Verfahren und Mischformen entwickelt, so etwa auch farbige Glasdias (Autochrome) oder auch monochrome Kleinbild-Dias aus Polyester.
Das farbige Kleinbild-Dia entwickelte sich in den 1930er Jahren parallel zur Etablierung des 35mm-Films: Kodachrome wurde 1935 auf den Markt gebracht, gefolgt von Agfacolor 1936.
Diese Entwicklung war zunächst für den ambitionierten Amateur- und semiprofessionellen Bereich gedacht. Kleinbild-Dias waren günstiger herzustellen und leichter zu handhaben.
Nach dem 2. Weltkrieg werden Kleinbild-Diafilme wie Kodachrome, Agfacolor und Ektachrome (seit 1946) einfach verfügbar und kommerziell breit vermarktet, was die monochromen Glasdias mit der Zeit verdrängte.
Kleinbild-Dias: Die Sammlung Bernau
Der Kleinbild-Dia-Bestand des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte umfasst rund 210.000 Dias und setzt sich aus einer Lehrbildsammlung sowie aus Sammlungen von Wissenschaftler*innen zusammen, die dem Institut über Schenkungen oder Nachlässe überlassen wurden.
In diesen zweiten Bereich ist die Diasammlung Bernau einzuordnen. Sie umfasst rund 23.000 Dias und wurde der Mediathek in zwei Etappen 2010 und 2019 von dem Kunstwissenschaftler Nikolaus Bernau geschenkt. Die Dias entstanden alle zwischen den späten 1980er und frühen 2000er Jahren, reichen also somit ans zeitliche Ende der analogen Kleinbildfotografie.
Die Sammlung dokumentiert vor allem Architektur und Städtebau zahlreicher Regionen wie Berlin, andere deutsche Bundesländer und Länder wie Italien, Frankreich und Schweden. Für den Ausstellungsraum wurden drei Kleinbild-Dias mit Berlin-Bezug ausgewählt: Eines liegt gerahmt vor, zwei weitere sind als ungerahmte Filmstreifen erhalten und werden in thematisch gegliederten Steckmappen aufbewahrt.

Nikolaus Bernau
* 23. Juni 1964 in Bonn
Bernau ist ein deutscher Kunstwissenschaftler, Architekturkritiker und Journalist. Er studierte Architektur und Kunstwissenschaften an der Technischen Universität Berlin und der Hochschule der Künste Berlin. Bernau arbeitet als freier Autor für Zeitungen und Radiosender, mit Schwerpunkten auf Architektur, Städtebau, Denkmalpflege und Kulturpolitik. Von 2000 bis 2022 war er Redakteur der Berliner Zeitung und ist zudem als Buchautor sowie als Mitglied verschiedener Fachgremien zur Bau- und Denkmalpolitik tätig.
Aspekte der Materialität von Kleinbild-Dias
Kleinbild-Dias
Diapositive kommen in unterschiedlichen Formaten vor, etwa im 135-Format Rollfilm, mit Bildgrößen von 18 × 24, 24 × 36, oder 24 × 65 mm. Der Begriff „Kleinbild-Dia“ wird üblicherweise für das Format 24 × 36 mm verwendet, bei einer Rahmengröße von 50 × 50 mm.
Es handelt sich überwiegend um chromogene (farbgebende) Positive auf einem flexiblen Kunststoffträger. Auch sie wurden für die Betrachtung mittels Projektion entwickelt. Ab den 1930er Jahren begannen moderne Farbverfahren auf Kunststoffbasis, Glasplatten und Glasdias zunehmend abzulösen.
Im Unterschied zu Glasdias benötigen Kleinbild-Dias kein Negativ, da sie bereits als Positiv in einem sogenannten Umkehrfilm entstehen. Dieser besteht aus drei übereinanderliegenden Gelatineschichten, die jeweils für eine der Primärfarben Rot, Grün und Blau sensibilisiert sind. In den Schichten befinden sich Silberhalogenide und Farbkoppler. (Eine Ausnahme bildete Kodachrome, da sich die Farbkoppler hier nicht in den Schichten befanden, sondern extern in Entwicklerlösungen.) Während der chemischen Entwicklung entstehen die Farbstoffe Gelb, Magenta und Cyan direkt in den Schichten; das metallische Silber wird anschließend weggebleicht, wobei das Silber wieder in lösliche Silbersalze überführt wird.
Kleinbild-Dias wurden in professionellen fotografischen Kontexten besonders für ihren hohen Kontrastumfang und ihre Archiveigenschaften geschätzt. Für die Projektion werden Kleinbild-Dias meist in Kunststoffrahmen gefasst. Die „Dia-Show“ wurde zur weit verbreiteten Praxis, dieses besonders auch in privaten Räumen.
Kleinbild-Dias sind weniger anfällig für Schäden durch Erschütterung oder Druck, jedoch verblassen die organischen Farbstoffe mit der Zeit, insbesondere bei ungeeigneter Lagerung in hellen, lichtdurchfluteten Räumen.
Die Abbildung im Hintergrund zeigt die mikroskopische Vergrößerung eines Kleinbild-Dias.
Objektbetrachtungen
Objekt No. 1 ungerahmter Kleinbild-Umkehrfilmstreifen
Das ungerahmte Kleinbild-Dia aus der Sammlung Bernau zeigt die Fassade des Bode Museums während Renovierungsarbeiten. Die mikroskopische Vergrößerung zeigt, je nach Lichteinfall, leichte Schäden in Form von Kratzern, die eine Nutzung jedoch nicht beeinträchtigen.
Zum Digitalisat der HU Mediathek
24 x 36 mm Kleinbilddia-Umkehrfilm / ungerahmt / Berlin, Bode-Museum / Erneuerung der Kuppel / BILD: FOTOGRAF*IN Bernau, Nikolaus / BILD: LIZENZ CC BY NC 4.0
Objekt No. 2 Kleinbild-Dia mit Rahmen
Das gerahmte Kleinbild-Dia aus der Sammlung Bernau zeigt einen typischen Berliner Innenhof, laut Beschriftung Neukölln. Die mikroskopischen Vergrößerungen zeigen keine Schäden. Als gerahmtes Dia ist eine Projektion mit dem Diaprojektor möglich.
Zum Digitalisat der HU Mediathek
24 x 36 mm Kleinbilddia-Umkehrfilm / Kleinbilddia-Rahmen / slide frame (5x5cm) / Berlin, Innenhof / BESCHRIFTUNG D-B-Neukölln / 2b / 10/86/ / BILD: FOTOGRAF*IN Bernau, Nikolaus / BILD: LIZENZ CC BY NC 4.0
Objekt No. 3 ungerahmter Kleinbild-Umkehrfilmstreifen
Das ungerahmte Kleinbild-Dia aus der Sammlung Bernau zeigt eine Gebäudefassade vom Gelände des Hamburger Bahnhof. Die Betrachtung des gesamten Films lässt eine deutliche Verfärbung erkennen.
Zum Digitalisat der HU Mediathek
Kleinbilddia-Umkehrfilm / 35mm Reversal film / ungerahmt / Berlin, Hamburger Bahnhof / BILD: FOTOGRAF*IN Bernau, Nikolaus / BILD: LIZENZ CC BY NC 4.0
Mögliche Schadensbefunde bei Kleinbild-Dias
- Farbverschiebungen: Unterschiedlich schneller Abbau der Farbstoffschichten
- Verblassen: Allmählicher Verlust der Farbdichte: Der Grad des Ausbleichens hängt von der Marke, dem Trägermaterial und den verwendeten Farbstoffen ab. Fujichrome-Diafarbstoffe sind lichtbeständiger als Kodachrome, die im Licht schneller verblassen, aber bei dunkler Lagerung deutlich länger halten als Fujichrome. Polyester ist weniger anfällig als Celluloseacetat. Der Grad der Farbverblassung lässt sich durch Betrachtung des Randes unter Vergrößerung beurteilen. Da dieser dunkle Rand aus verschiedenen Farbschichten besteht, werden seine Kanten mit der Zeit heller, weicher und verschieben sich ins Magenta. Die Verschlechterung des Filmträgers hängt von der Art des Kunststoffes ab: Acetat oder Polyester.
- Acetat ist anfällig für das Essigsäuresyndrom, das zum Schrumpfen des Filmträgermaterials und zum Aufrollen der Gelatineemulsion führt. Typisch ist ein starker Essiggeruch. Feuchtigkeit befördert diesen Prozess. (Autokatalytischer Abbau)
- Polyester ist bei sachgemäßer Lagerbedingung archivfest und hat eine Lebensdauer von über 500 Jahren.
- Mechanische Schäden durch Kratzer, Stöße
Es wird eine kühle Lagerung von unter 10 °C empfohlen, relative Luftfeuchtigkeit von 20-50 %
Säurefreie Mappen und Behälter werden dringend empfohlen.
Wegen des Säuregehalts von Acetat wird die Aufbewahrung in einem gepufferten alkalischen Behälter empfohlen.
Jedes Dia sollte in einer einzelnen säurefreien Papier-, oder Kunststoffhülle aufbewahrt werden.
Alle Aufbewahrungsmaterialien müssen den Fotoaktivitätstest (PAT) gemäß ISO-Norm 18916:2007 bestehen.
Quelle: PSAP Preservation Self-Assessment Program
Die Abbildung im Hintergrund zeigt die mikroskopische Vergrößerung eines Kleinbild-Dias.
Befund No.1 Mechanische Schäden bei Kleinbild-Dias
Ein häufiges Schadensbild bei Kleinbild-Dias sind Kratzer auf dem Film. Besonders empfindlich ist dabei die Emulsionsseite, da selbst feinste Beschädigungen dauerhaft sichtbar bleiben und die Bildinformation beeinträchtigen. Das untersuchte Kleinbild-Dia zeigt das Bode-Museum. Unsere mikroskopischen Aufnahmen des Dias werden hier in zunehmender Vergrößerung präsentiert. Dadurch werden Kratzer sowie kleinere Schäden in den Farbschichten deutlich sichtbar.



Befund No. 2 Farbverblassung bei Kleinbild-Dias
Kleinbild-Dias sind weniger anfällig für Schäden durch Erschütterung oder Druck, jedoch verblassen die organischen Farbstoffe mit der Zeit, insbesondere bei ungeeigneter Lagerung in hellen, lichtdurchfluteten Räumen. Die hier gezeigten Kleinbilddias haben einen eindeutigen Blaustich. Dieser entsteht, da die Farbstoffe der Dias unterschiedlich schnell altern und verblassen. Wenn also Rot und Geld zuerst verblassen, bleibt ein Überhang von Blau übrig.

Da alle Filmstreifen in der Archivfolie denselben Blaustich aufweisen, ist anzunehmen, dass dieser nicht auf den Bildinhalt zurückzuführen ist, sondern auf eine altersbedingte Farbverblassung.

Der Vergleich der beiden Filmstreifen lässt den Blaustich deutlicher erkennen.

Hier zu sehen ist eine mikroskopische Aufnahme des Kleinbilddia vom Hamburger Bahnhof. Im Bild links daneben ist es das zweite Dia des oberen Filmstreifens mit Blaustich.
Die Texte sind Ergebnis einer Zusammenarbeit der Autor*innen:
- Aurelia Bender: Hauptverantwortung Materialität und Technik
- Sarah Swantje Fischer: Hauptverantwortung Sammlungsgeschichte Lehrsammlung Glasdias und historische Entwicklung zum Kleinbild-Dia
- Paulina Trunk: Hauptverantwortung Sammlung Bernau und Schadensbefunde
Literatur und Quellen
Dilly, Heinrich: Die Bildwerfer. 121 Jahre kunstwissenschaftliche Dia-Projektion, in: Zwischen Markt und Museum. Beiträge der Tagung “Präsentationsformen von Fotografie” am 24. und 25. Juni 1994 im Reiß-Museum der Stadt Mannheim. Göppingen 1995 (Rundbrief Fotografie; Sonderheft 2), S. 39-44
Grimm, Herman (1892/1897): "Die Umgestaltung der Universitätsvorlesungen über Neuere Kunstgeschichte durch die Anwendung des Skioptikons" In: Beiträge zur Deutschen Culturgeschichte, Berlin 1897, S. 276-395
Haffner, Dorothee: „Die Kunstgeschichte ist ein technisches Fach.“ Bilder an der Wand, auf dem Schirm und im Netz, in: Bild/Geschichte. Festschrift für Horst Bredekamp, hrsg. von Philine Helas, Maren Polte, Claudia Rückert, Bettina Uppenkamp, Berlin 2007, S. 119–129
Lavédrine, Bertrand et al: Photographs of the Past: Process and Preservation. Los Angeles 2009.
Reichle, Ingeborg: Fotografie und Lichtbild: Die ‘unsichtbaren’ Bildmedien der Kunstgeschichte, in: A. Zimmermann (Hrsg.), Sichtbarkeit und Medium. Austausch, Verknüpfung und Differenz naturwissenschaftlicher und ästhetischer Bildstrategien, Hamburg 2005, S. 169-181
Schelbert, Georg: Bildgeschichte digital greifbar. Die Glasdiasammlung des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. Bericht von einem work in progress. Berlin 2018
HU Berlin Mediathek Geschichte
HU Berlin Mediathek Fundstücke
HU Berlin Mediathek Medienrepositorium Glasdias
HU Berlin Mediathek Medienrepositorium Kleinbilddias
PSAP Preservation Self-Assessment Program
Abbildungsverzeichnis
Fotos: (Objekte, Raumansichten, Projektionen) Sarah Swantje Fischer
Fotos: (Leuchttisch-Objekte) Ann-Kristin Block
Digitalisate der HU Mediathek
Foto Porträt N. Bernau: Stephan Röhl
Herman Grimm
* 6. Januar 1828 in Kassel; † 16. Juni 1901 in Berlin
Grimm war ein deutscher Kunsthistoriker, Publizist und Hochschullehrer. Als Sohn von Wilhelm Grimm (einem der Brüder Grimm) studierte er zunächst Rechtswissenschaft und Philologie, promovierte in Leipzig und habilitierte anschließend in Berlin. Im Jahr 1873 wurde er zum Professor für Neue Kunstgeschichte an der Friedrich-Wilhelms-Universität berufen, wo er bis zu seinem Tod lehrte. Er gehörte zu den Mitbegründern der Goethe-Gesellschaft und wirkte als Herausgeber der Weimarer Ausgabe von Goethes Werken. Außerdem verfasste er zahlreiche kunst- und literaturhistorische Schriften und Biografien.